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Winterschlaf in Slocan

Der Winter ist da! Die ersten zwanzig Zentimeter Puderschnee haben sich
über die Landschaft gelegt. Der Garten wirkt nun wie ein verträumtes Wintermärchen, unter dessen Schneedecke das letzte Wurzelgemüse darauf wartet geerntet zu werden. Die Schweinchen ziehen sich früh am Tag in ihren Bau zurück, begrüßen einen aber überschwenglich grunzend, wenn man sich ihnen nähert. Minus Zehn zeigte das Thermometer vor ein paar Tagen an, aber auch diese Nacht war angenehm warm, dank meines geliehenen -20 Schlafsacks, sowie meinem neuen Heizlüfter.
Ich bewohne nun einen geräumigen Van einer Freundin, die ihn hier hat stehen lassen. Er ist ebenso wie mein Van aus den 70igern und hat wie es mir scheint schon einiges erlebt. Von Außen ist er komplett mit Graffittis besprüht worden, innen haben sich einige Künstler am Interiour ausgelassen. Ich finde ihn, wenn er denn beheizt ist, einfach nur saugemütlich.
Die Tage hier fühlen sich meist zeitlos an. Ich koche, wasche, wische, ernte, hämmer, säge, mache Feuerholz und baue. Ab und zu fahren wir in die Stadt um auf guter Musik etwas abzuzappeln. Ich habe (mal wieder) angefangen Gitarre zu lernen UND mache Fortschritte.
Meine „Wahlfamilie“ ist wunderbar! Ich kann hier lachen, weinen, wütend sein, wie es mir gerade gefällt. Aber meistens lächel ich hier einfach nur.
Alles Charakterköpfe, alle haben wirklich was zu sagen und alle sind wir sehr unterschiedlich und doch sehr ähnlich.
Ich habe jemanden ganz Besonderen hier kennen und lieben gelernt und aus einem vorsichtigen Gefühl von Zuhause wird mit jedem Tag ein hineinwachsendes Gefühl von Heimat.
DAS ist der Ort, den ich eigentlich gesucht hatte. Etwas früh gefunden für einen meiner Geschmäcker, aber das ist auch das geringste Problem.
Hier bleibe ich! Hier macht es für mich Sinn!

Eventuell werd ich, falls die Muse mich küsst, bald noch von meinen 2 Wochen Weintraubenernte im Okanagan Valley berichten.
Nehmts mir nicht übel- für mich ist momentan eine Zeit gekommen, an der ich nur noch das tue, was ich wirklich möchte. Und Schreiben gehört(e) gerade nicht dazu… Was sich allerdings auch bald wieder ändern kann😉

Also solange ihr nix von mir hört ist alles gut! Und wer sich doch Gedanken macht, kann mir gerne eine persönliche Nachricht

schicken. Ich meld mich gerne!

 

Schreiben ist gut, Denken ist besser. Klugheit ist gut, Geduld ist besser.
– Hermann Hesse, Siddhartha

03.09.2011

8:00 am

Ich schlürfe genüsslich meinen morgendlichen Earl Grey Tee mit Milch und Honig und kuschel mich in den roten Sessel. Die frühe Sonne scheint mir in mein ungewaschenes Gesicht und wache damit auf, in dem ich diese Zeilen schreibe.

Ich sitze in einem Starbucks Cafe am Stadtrand von Squamish- einer native nations Touristenstadt umgefähr 60 km von Vancouver entfernt. Gestern Morgen erst bin ich die komplette Strecke von Slocan aus hier her gefahren, eigentlich um Moritz zu treffen. Aber wie das nun mal so ist, wenn man ohne Handy reist, haben wir uns verpasst. Gestern habe ich nach fast 12 Stunden auf der Straße, nach dem richtigen Starbucks gesucht, indem wir uns treffen wollten- um dann per Internet festzustellen, dass Mo nur bis 18:30 auf mich warten konnte. Das war dann gegen 22 Uhr, nachdem ich totmüde und leicht gefrustet, die allerletzte Bestellung in einer Sushibar aufgeben konnte. Das rettete mir gestern Abend echt meine Laune und als die Serviererin aus der Bar noch meinte, ich könne ohne Probleme auf dem Wallmarktparkplatz übernachten, war ich echt heil froh! Ich erinnerte mich auch dunkel daran, in irgendeinem Backpackerforum gelesen zu haben, dass Wallmarktparkplätze, die inoffiziellen Sicher-im-Van-Übernachtungsmöglichkeiten darstellen. Und tatsächlich campten dort außer mir noch 6 andere Vehikel.

Mein Laptopakku hielt dann gnädigerweise sogar lange genug, um eine Voyagerfolge schauen zu können, während ich genüsslich mein California Rolls verdrückte.

Alles im allen eine sehr angenehme Erfahrung des Alleinereisens! Seitdem ich auch weniger Probleme mit der Sprache und einige Strecken alleine bewältigt habe, merke ich wie ich mich immer sicherer fühle, wenn ich alleine unterwegs bin.

Zum Beispiel auf dem Hinweg von Vancouver nach Slocan übernachtete ich auf einem Tankstellenparkplatz und lernte so eine schräge, aber echt nette Persönlichkeit kennen. Audrey, eine Anfang Vierzigerin, mit einem Hund so groß wie ein Pony und der offiziellen Lizenz zum Marijuana anbauen, lud mich für ein Quätschken in ihren Van ein. Marijuana ist übrigens in BC nur teilweise verboten. Einige ausgewählte Personen, meist ältere Frauen, bekommen vom Staat die Lizenz medizinisches Gras anzubauen, die dann als Medikament als Psychopharmaka, Schmerzstiller, Muskelentkrampfer etc. eingesetzt werden. Sie erzählte mir dann auch noch, dass wir Frauen gerade hier zusammen halten müssten, da in der Nähe ein Ladykiller sein Unwesen treiben soll. Mich beeindruckte die Story nur mäßig, aber ich war doch sehr froh nicht alleine auf dem Parkplatz übernachten zu müssen. Das war damals meine erste Nacht in meinem Van!

Sie lud mich dann zum Schluss noch auf ihre Plantage auf Vancouver Island ein und eventuell schau ich dort eines Tages mal vorbei. Vitamin B öffnet einem viele Türen, wenn man reist.

Über eine hiesige Ridesharehomepage besorgte ich mir gestern für die lange Strecke 2 Mitfahrer, sodass ich insgesamt 80 Dollar sparen konnte. Eine japanische Mutter mit ihrem 10 jährigen Sohn begleiteten mich für einige Stunden- ich merkte aber schnell, dass die beiden sehr nett sind, aber wir nicht auf einer Wellenlänge schwimmten.

Das war schon ein krasser Unterschied zu den Menschen, mit denen ich die letzten 3 ein halb Wochen verbracht hatte.

In Slocan bin ich inzwischen Zuhause. Ich fühle mich seltsam schön mit den Menschen und der Umgebung verbunden. Und als Hope, Elis Mutter noch zu mir meinte „ Du bist ja nicht aus der Welt, du hast nun nur Urlaub von der Familie!“ Da ging mir echt das Herz auf. Und gleichzeitig vermisse ich meine Familie in Deutschland. Ich fühle mich echt gesegnet nun so etwas wie 2 Familien zu haben. Den Tag bevor ich fahren mussten, beendeten wir auch noch den Bau des Fundaments des neuen Hauses. Das Gebäude wird aus natürlichen Materialien, wie Strohballen, Balken und mit Erde gefüllten Schläuchen bestehen. Das „Elvhouse“, wie wir es nennen, ist dann verbunden mit dem „greenhouse“, sodass man von der einen Seite auf die wachsenden Pflanzen schauen kann. Im vorderen Teil des Hauses hat man einen atemberaubenden Blick auf die Gärten, ins Tal hinein. Ich bin gespannt, was die Community in der Woche alles schaffen wird, in der ich nicht dort bin. Ich beschäftige mich momentan wieder mehr mit alternativen Lebenswegen und muss zugeben, dass ich wohl doch im Grunde meines Herzens eine ziemliche Hippibraut bin. Ökologisch abbaubar halt!

Ich werd in Ruhe mal einen ausführlicheren Blog über die Gemeinschaft schreiben!

Mit jedem Schritt wieder mehr zu mir hin, mit jeder Stufe wachse ich hinein in mein neues Leben. Und mit jedem Schritt eröffnet sich eine Perspektive von der ich geträumt, aber nie zu hoffen gewagt hätte…

Slocan

Ich lausche

Schillernde, glitzernde Körper dicht gedrängt
strömend durch dunkle Wogen voller Tiefe und Kühle
frische Strahlen voller Licht brechen
sich an der Oberfläche
ergießen sich in türkis und blau
enden bevor sie den Boden
der Kathedrale erreichen können
schimmernd, blitzen Funken auf –
laßen ahnen, was sich in der Dunkelheit verbirgt
wie ein Goldschatz, der nie gehoben wurde
ruht er in der unendlichen Tiefe
Ich tauche ein
und atme aus
laße den Körper sinken
öffne die Augen weit
ich sehe es unter mir blinken
ich bin nicht sicher aber bereit
Walgesang wird gleich erklingen
Ich lausche

Manchmal ist es erstaunlich wie sich die Dinge im Leben manifestieren, die man sich gewünscht hat! Meine komplette Reise kommt mir bis jetzt so vor, als ob sie mir mit aller positiver Kraft zeigen will, dass nur die Intention wichtig ist, mit der wir Dinge tun und machen. Dann entwickeln sich die Dinge schon von selber in richtige Richtung, auch wenn sie nie so eintreffen wie man es vielleicht geplant hätte.

Aber ich greife hier mal wieder die Essenz vorne weg und fange erst mal von vorne an…

Auf meinem letzten Roadtrip habe ich ja diese unglaubliche Gemeinschaft von Menschen

im Slocan Valley getroffen und als wir wieder fahren mussten, da sagte etwas in mir sehr deutlich,

dass ich eine längere Zeit hier bleiben möchte, aber auch das es notwendig ist, erst einmal nach Vancouver Island zurück zukehren.

Zum einen um Geld zu verdienen, aber auch weil ich das Gefühl hatte, dass noch nicht die Zeit dafür gekommen war. Auf Vancouver Island begegnete mir immer wieder der Gedanke, dass ich unbedingt einen eigenen Van haben will. Einige wissen vielleicht, dass dies ein alter Traum von mir war, in einem Van zu leben und damit meine Haus jeder Zeit im Gepäck dabei zu haben.

Und ich hatte irgendwie im Gefühl, dass der Van zu mir kommen wird, wenn die Zeit dafür reif ist- ich also nicht dafür im Internet suchen musste.

Und tatsächlich: eine Woche bevor ich wieder nach Slocan Valley zurück fahren wollte, unterhielt ich mich mit einer -inzwischen Freundin- für die ich gearbeitet habe, über Autos und „tadaaaaaa!“- sie wollte ihren Van verkaufen, den sie zwar über alles liebt, der aber nie von ihr wirklich gefahren wurde. Und er entspricht exakt meinen Vorstellungen, sowie dem Betrag den ich höchstens ausgeben wollte. Für alle Autofans: Es ist ein GMC- Rally Wagon von 1978 mit sämtlichen Papieren und Reparaturen, der immer  Autoliebhaber als Besitzer gehabt hat.

Ich habe ihm den treffenden Namen Skyhopper verpasst.

Mit dem neune Van an meiner Seite bin ich dann vor ein paar Tagen die fast 700 km von Metchosin (Vancouver Island) nach Slocan Valley (Rocky Mountains) gedüst! Er fährt sich hervorragend auf

dem kurvigen Highway, besonders dank seiner 8 Zylinder und seines enormen Gewichts.

The Van        

 

 

 

 

 

 

 

      

Sooo nur mal soooo für zwischendurch, um neugierige Fragen zu befriedigen…🙂

Inzwischen sind Mo und meine Wenigkeit seit über 3 Wochen wieder auf Vancouver Island.

Hier die Story unserer Ankunft:

Wir sind mit Sack und Pack (ca. 25 Kilo – Jeder!) kurz an die amerikanische Grenze gegurkt- wo uns noch ein sehr netter älterer Herr per hitch hike an die Grenze gefahren hat, damit ich mein Arbeitsvisa aktivieren konnte. So langsam aber sicher muss nämlich mal wieder was in meinen Geldbeutel hinein klimpern. Das Aktivieren war auch überhaupt kein Problem- die amerikanischen Grenzsoldaten waren sogar ausgesprochen lustig und zu Scherzen aufgelegt. Bei der kanadischen Immigration schaute ich mal wieder in sauertöpfische Gesichter, aber hauptsache ich bekam mein Visa. Danach sind wir mit der Fähre wieder rübergeschippert – wobei wieder ein netter Typ mit Dreadlocks und Hund (Mo und ich mussten uns einen Sitzplatz mit dem Hund teilen) uns sogar zur Fähre gefahren hat, obwohl er in die andere Richtung musste.Von Victoria aus wollten wir mit dem Bus nach Metchosin zurüch fahren, blieben aber ins Langford stecken, da wir den letzten Bus verpasst hatten. Also riefen wir unsere Bekannten an, die uns dann auch noch prompt mitteilten, dass sie nicht verstanden hätten, dass wir schon zu früh kommen wollten. Und so oder so sei es schon sehr spät, ob wir nicht morgen nicht noch einmal anrufen konnten. Da standen wir nun – mit 50 kg Gepäck – einem ganzen Tag unterwegs gewesen – totmüde – verloooooren in Langford. Der Reisegott hatte uns verlassen… (Mo und ich haben eine neue Religion gegründet, die darauf beruht, dass man regelmäßig in Form von schönen Aktivitäten-manchmal reicht da auch ein Bierschen-, dem Reisegott huldigen muss, damit er uns wohlgesonnen ist  ) Nun ja, so eine Erfahrung muss man wohl auch mal machen – dachten wir uns, nachdem wir kurz überlegt hatten in dem Minizelt zuschlafen – uns dann aufgefallen ist, dass wir rein gar nichts mehr zu essen oder zu trinken hatten- uns dann für das nächstbeste Motel entschieden haben und wir mit Pizza auf unseren Betten lagen und philosophierten, was denn nun falsch gelaufen sei…

Am nächsten Tag konnten wir dann aber schnell bei David und Sarah unterkommen. Fionas Eltern, die auf einer schönen Farm namens, Swallow hill (Schwalbenhügel) ihren Lebensabend verbringen. Wir haben hier ein kleines Zimmer mit Küchenzeile und Bad (mit Badewanne- mein Herz hüpft) und einer der besten Aussichten der Welt bekommen, direkt über der Garage mit Blick auf den Garten, die Obstwiesen und das Meer! Das Apartment sieht man auf einem der Bilder aus dem vorigen Blog. Und das hier ist unsere Aussicht und der süße Mäusefänger Tiger!

Noch ist nicht die Zeit etwas Neues zu schreiben, aber dennoch hier ein kleiner Auszug aus Herman Hesses Buch  „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“! Danke Mama für diese wunderbare Lektüre🙂

„Es ist nicht mehr Frühling in meinem Herzen. Es ist Sommer…Meine trunkene Sehnsucht malt nicht mehr Traumfarben über die verschleierte Fernen, mein Auge ist zufrieden mit dem, was da ist, denn es hat sehen gelernt…Ich bin begierig, reif zu werden. Ich bin bereit zu sterben, bereit wiedergeboren zu werden. Die Welt ist schöner geworden.“

An elder cherokee was teaching his grandchildren about life. He said to them, „A fight is going on inside me. It is a terrible fight and it is between two wolves.
One wolf represents fear, anger, envy, sorrow, regret, greed, arrogance, self-pity, guilt, resentment, inferiority, lies, false pride, superiority, and ego.

The other stands for joy, peace, love, hope, sharing, serenity, humility, kindness, benevolence, friendship, empathy, generosity, truth, compassion, and faith.

This same fight is going on inside you, and inside every other person, too.“The children thought about it for a minute and then one child asked his grandfather, „Which wolf will win?“

The old cherokee simply replied,“The one you feed.“

Ja ich gebs zu- ich bin faul gewesen was das Schreiben angeht! Aber dafür war ich in allen anderen Belangen sehr fleissig.

Mal eben eine Schnellzusammenfassung der Reise:

Am 21. Mai sind wir ja von Ottawa nach Vancouver geflogen und haben dort eine sehr entspannte Zeit in Vancouver bei einem Freund, dem Jeff verbracht. Großartige Stadt kann ich da nur sagen. Von allen Städten auf der Welt ist diese bisher mein Favorit. Grün, weit, modern und überall Sushibars! Was will ich mehr…

Danach sind wir mit der Fähre nach Vancouver Island in ein Örtchen namens Metchosin gereist- dort haben wir für zweieinhalb Wochen für Essen und Unterkunft (Zelt) auf einer Farm gearbeitet. Die organic Farm gehört einer echt netten Frau namens Fiona. Sie lebt dort mit ihren 2 Kindern Hayden und Ben (zuckersüß), 2 Ziegen und unzähligen Hühnern. Wir haben dort ganz schön malocht..

In unseren day-off-Tagen sind wir per Anhalter nach Tofino getrampt- einer Touristenstadt im Aufbau und unter anderem der beste Ort zum surfen in Kanada.

Wir haben es dann auch geschafft in unseren 2 Tagen Aufenthalt und 2 Tagen trampen- whale watching, surfen, und Radtouren unterzubringen.

Auf dem Hinweg ist uns auch etwas echt unglaubliches passiert: Fiona erzählte uns, dass ein befreundeter Künstler, an unserem Day-off von Victoria nach Tofino zurück fahren wollte und uns hätte mit nehmen können. Irgendwie haben wir es aber nicht geschafft etwas auszumachen und sind dann per Anhalter Richtung Tofino. In der letzten Stadt vor Tofino – es war inzwischen 20 Uhr und auf den Weg durch die Wälder nach Tofino fährt man nochmal gut 1.5 Std- blieben wir stecken und keiner nahm uns mit. Die Sonne ging langsam unter und außer einer Gasstation war weit und breit nicht viel zu sehen- in unseren Ohren klangen die Worte unseres letzten Fahrers (Indianer) nach- „Übrigens es gibt hier außer Bären auch Pumas“. Da hielt ein netter, bärtiger Mann in einem Van mit Anhänger und fragte Jessie und mich, ob er uns mitnehmen könnte. Moritz war zu dem Zeitpunkt gerade in die Tankstelle gegangen, um uns etwas zu essen zu holen. Der nette Mann sagte, dass er noch gerade so Platz für 2 hat, aber erbarmte sich als wir sagten, dass wir drei Leute seien und unbedingt noch nach Tofino müssten. Es stellte sich nach ein paar Minuten heraus, dass dieser Mann der Künstler Mark Hobson ist, der Freund von Fiona- Übrigens sehr bekannt in Kanada für realistische Naturmalerei. Wir konnten dann auch noch eine Nacht bei ihm schlafen und er schenkte uns jeweils ein handsigniertes Bild. Ein unglaublich lieber Mensch mit viel Tiefgang, einem wachen Verstand und offenem Herz. Ich freue mich schon ihn bald wieder zu treffen.

Falls jemand Bilder gucken möchte:

http://www.markhobson.com/

Letzten Freitag sind wir dann auf unseren Roadtrip in die Rocky Mountains Richtung Nelson aufgebrochen. Moritz und ich suchten dort nach einem Winterjob in einem Skigebiet. Wie sich dann spätestens in Banff herausgestellt hat, waren wir aber zu früh dafür unterwegs.

Das war aber auch gar nicht weiter tragisch, da wir nun einige neue Idee und Pläne entwickelt haben und wir einen ersten Eindruck von den Rockys gewinnen konnten.

Und außerdem: man fließt eh dort hin, wo einen das Leben hinschickt und unser Reisegott, war wieder einmal sehr gnädig mit uns.

Zuerst sind wir nach Kelowna im Okanagan Valley getuckert. Speedlimit 110 km!

In Kelowna haben wir uns dann mit Freunden von unserem Farmaufenthalt getroffen. Auch eine seeeeehr irre Geschichte. Ich hatte mich mit Stanley, einem deutschen Reisenden in Kelowna verabredet und mit ihm ausgemacht ihn auf der Strecke noch einmal anzurufen. Allerdings hatten wir uns etwas mit der Weite und der Wildnis in den Rockys verschätzte. Auf 400 km waren nur vereinzelte Häuser und Kartentelefone zufinden, die wenn man keine Karte hat, nicht zu gebrauchen waren. Und die hatte ich natürlich nicht.

Letztendlich war es schon nach 22 Uhr als wir in Kelowna ankamen und eine Tankstelle

ansteuerten. Ich bin direkt raus um ihn anzurufen, um dann verdutzt festzustellen, dass sein Freund Tijs plötzlich an mir vorbei lief. Sie hatten den ganzen Abend auf eine Nachricht gewartet und wollten gerade in die nächste Stadt aufbrechen. Zum Glück stellten sie auf der Autobahn dann fest, dass der Tank schon recht leer war und drehten noch einmal um.

Also ich glaube langsam, nach allem was ich hier so erlebt habe – wenn man mit offenem Herzen reist, dann passieren die Dinge schon so, wie sie geschehen sollen.

Wichtig ist nur offen zu bleiben – für das was das Leben einem schenkt und dankbar zu sein – für jeden Augenblick, für jeden Atemzug. Und loszulassen was war und was sein wird..

Vorgestern sind wir dann über Bekannte von Jessie auf einem wunderschönen Fleckchen Erde gelandet.

Slocan Valley, am Rande des Valhalla National Parks ganz in der Nähe von Nelson.

Nelson ist übrigens DIE Hippie, Aussteiger und Alternativenstadt in Kanada schlecht hin. Leider wollen so viele Menschen dort leben, dass es mit Gelegenheitsjobs nicht besonders gut aussieht. Aber wer weiß… In der Nähe von Banff haben wir Helmut, einen deutschen Auswanderer aufgegabelt, der mit seiner Frau und seiner Familie in Nelson lebt. Helmut ist 75 Jahre alt und ein echter Weltreisender. Er war 7 Jahre am Stück in der Welt unterwegs, hat fast 3 Mal die Welt per Schiff umrundet und war so gut, wie in jedem Land mindestens einmal. Er fährt heute noch per Anhalter oder springt auf Containerzüge auf, weil er das Abenteuer an dieser Reiseart so liebt. Mit 75 Jahren – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Über ihn habe ich damit schon mal Kontakt nach Nelson und wer weiß vielleicht findet sich   so auch ein Job.

In Slocan Valley haben wir dann ein paar wunderschöne Tage in einer Community verbracht.

Dort leben 10 Menschen unterschiedlichen Alters in einer Gemeinschaft namens Greensongsanctuary.

Kernpunkt ist dabei die Familie Mead- Hope, Randy und Eli – amerikanische Auswanderer, die sich dort ein fast 150 acer großes Grundstück gekauft haben und seit einem Jahr dort organisch anbauen. Sie versuchen eine Gemeinschaft aufzubauen, die sich selbst trägt und soweit wie möglich unabhängig vom Geldsystem lebt. Dabei leben sie aber keineswegs von der Zivilisation abgeschnitten, sondern sind mit Internet und allem Pipapo ausgestattet. Große Entscheidungen werden von allen Bewohnern nur gemeinsam getroffen – Regeln gibt’s nur soweit, dass man auf die anderen Rücksicht nimmt und teilnimmt an den täglichen Aufgaben. Dabei kann aber Jeder das machen, was er gerne macht – die Community basiert vor allem auf Freiheit, Offenheit und Toleranz – egal wer man ist, was man glaubt oder woher man kommt.

Das Haus ist riesig und wunderschön- sie haben ein fantastisches Musikzimmer mit einem kleinem Studio, sowie riesige Fenster, aus denen man auf den breiten Fluss und die riesigen Berge blicken kann. Gestern waren wir mit ihren Kajaks draußen – konnten Greifvögel beim nisten beobachten und Kojoten bellen hören. Eine unglaublich gute Energie strahlen diese Menschen aus und ich freue mich sehr, höchstwahrscheinlich ab August eine Weile dort leben zu können.

Es hört sich vielleicht sehr merkwürdig an, aber ich habe an diesem Ort das Gefühl, als ob ich Zuhause wäre.

www.greensongsanctuary.com

Nun sind wir wieder zurück bei unserem Freund Jeff in Vancouver. Morgen fliegt die Jessica dann weiter nach Mexiko und ich reise mit Moritz zurück nach Vancouver Island um dort mit Farmarbeit Geld zu verdienen. Wir haben dort 2 gute Möglichkeiten gefunden für einen Monat ein Apartment zu mieten. Danach geht’s dann für mich zurück Slocan Valley und wer weiß- vielleicht habe ich bis dahin mir einen Van zusammen gespart und kann damit in meine Community zurück zuckeln.
Ich habe und ich werde auch nie bereuen, dass ich den Schritt über den großen Teich gewagt habe. In 2 Monaten ist im Außen, sowie im Innen mehr passiert, als in den letzten 2 Jahren. Und ich kann es nicht anders sagen, aber ich bin glücklich!

So! Wir sind nun seit einer Woche auf Vancouver Island auf einer kleinen organic farm und rupfen den ganzen Tag Unkraut aus. Die Besitzerin Fiona ist echt super nett und sorgt sich sehr um uns. Zu Beginn war ich etwas enttäuscht- Unterkunft: 3er Zelt zu dritt! Essen selber kochen nach harter Arbeit, aber jetzt wo ich ein wenig hier bin und die Menschen kennen gelernt habe, ist das alles nicht relevant! Fiona arbeitet sehr hart und ist eine alleinerziehende Mutter von 2 klasse Söhnen.
Mir macht die Arbeit echt Spaß! Ich fühle richtig wie mein Körper sich nach harter Arbeit gesehnt hat nach der ganzen Rumstudiererei. Und es befreit unheimlich den Kopf den ganzen Kram einfach rauszureissen…
Gleich fahren wir nach Tofino- per Anhalter! Mal schauen ob wir es schaffen kein Geld für den Bus auszugeben! Und jipiiiih! Ich kann dort endlich wieder surfen! Die Bedingungen dort sollen der Knaller sein- ich denke ich werde mir für die Zeit auf Vancouver Island irgendwann auch noch eine eigene Ausrüstung zulegen… mein Board ist ja zu Hause😦
Ich werde übrigens eventuell bei Zeiten den Bloganbieter wechseln- dann wird auch mehr gebloggt und ich hoffe auf fleissige Leser🙂 Und vorallem gibts dann auch ein paar Fotos außerhalb von Facebook! Take care! und einen dicken Kuss nach Hause!!

ps. Danke für eure Geburtstagswünsche!! Ich habe mich echt sehr darüber gefreut, wie viele an mich gedacht haben!

Mein zweiter Frühling

So langsam kehrt auch hier der Frühling ein. Als ich hier ankam, empfingen mich kühle 8 Grad, Regen und graues Aprilwetter. Ich packte direkt mal meine Skijacke aus und kuschelte mich

in warme Pullis.

Seit Anfang der Woche zeigen sich aber die ersten grünen Bäume und wie ihr vielleicht auf Facebook sehen könnt, war ein Spaziergang durch den biologischen Garten von Montreal schon sehr lohnenswert. Leider kommen die Farben auf den Fotos nicht so zur Geltung, aber der Teil der mit verschiedenen Rhododendronarten bepflanzt wurde, war sprichwörtlich für das Auge ein Gedicht. Die Büsche standen in einem kleinen Talkessel, umgeben von dunklen Nadelbäumen und kamen somit noch besser zur Geltung.

In Montreal hatten wir dann am Mittwoch schon angenehme 21 Grad und konnten in T-Shirt durch die Altstadt laufen.

Dort besuchten wir auch einen Shop der traditionelle indianische Kunst anbot, sowie einige ausgestopfte Tiere. Leider darunter auch ein Eisbär und ein paar Wölfe. Sehr beeindruckend, aber für mich nicht schön anzuschauen. Ich hoffe sehr, dass ich im Laufe meines Aufenthalts noch einen wilden und vor allem lebenden Wolf zu Gesicht bekomme.

An der Wand hing ein uralter Zeitungsbericht vom vorletzten Jahrhundert. Ein Indianerhäuptling schrieb darin, wie unverständlich es für ihre Kultur sei, dass man Land besitzen kann.

Und das jeder Stein, jeder Baum, jedes Geschöpf ein Geschenk von Mutter Erde sei, dem man mit Respekt begegnen sollte. Ich war ganz schön traurig, nachdem ich das Geschäft verlassen hatte.

Die Indianer nennen sich hier selber „first nations“ (1. Nation). Sie genießen hier von der Regierung einige Sonderrechte, wie Steuererleichterungen und Vorrechte für das Führen von Casinos.

Die meisten „Kanadier“ sind nicht so gut auf die sie zu sprechen, da nicht alle first nation people ihre Rechte positiv einsetzen, sondern einige diese für kriminelle Zwecke missbrauchen.

Leider ist Alkoholismus auch unter den first nations ein weitverbreitetes Problem, sowie es meist bei indigene Völkern der Fall ist, die in Berührung mit Suchtmitteln kommen.

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